Mit Liebe zum Detail

Hirschau. (ads) Im Herzen der Kaolinstadt entsteht derzeit mit der Sanierung des Gasthauses „Goldener Hirsch“ auf der südlichen Stadtplatzseite an der Ecke zur früheren Hirschenwirtsgasse ein städtebauliches Kleinod. Anno 1522 dürfte der dreiseitige Gebäudekomplex erbaut worden sein. Er blickt somit auf eine sehr lange Geschichte als Gasthof zurück. Mit enormen Aufwand unter den akribischen Anleitungen der Denkmalschutzbehörde wird der älteste Gasthof Hirschaus, der bereits 1360 erwähnt wurde, saniert und seiner ursprünglichen Nutzung als Gasthaus zugeführt.

Alfred Härtl und dessen Ehefrau Edith erwarben 2010 das Baudenkmal, um es als modernes Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten neu zu beleben. Bis dahin war nach einer kompletten Entrümpelung des Hauses ein weiter Weg zu beschreiten. Bevor der erste Stein verrückt werden durfte, musste der Bauherr unter Vorgabe des Landesamts für Denkmalpflege einige Auflagen erfüllen.

So war neben einer Befunduntersuchung im Innen- und Außenbereich, auch ein formgerechtes Aufmaß nötig. Weiter wurde eine dendrochronologische Untersuchung zur Bestimmung der Holzschlagphasen durchgeführt, die ergab, dass die jüngste Schlagphase auf 1827 und die ältestes Schlagphase auf 1522 datiert werden kann. Auch eine aufwändige statische Untersuchung war erforderlich, nach deren Auswertungen sich ein 20 Punktekatalog mit Denkmalschutzauflagen ergab.

Der Gasthof wurde 1840 mit radizierter Taferngerechtigkeit belegt. Das Tafern-Recht, so Alfred Härtl, sei in früheren Jahren das Privileg gewesen, nicht nur Bier auszuschenken, sondern auch „auszukochen“, das bedeute, die Vielfalt der warmen und kalten Küche kredenzen zu dürfen. Er vermutet, dass das ursprüngliche Gebäude durch einen der Brände in Hirschau vernichtet worden sei und das jetzige 1522 neu errichtet wurde. Vom ursprünglichen Baukern ist optisch der gotische Eingang noch ablesbar.

Ein barocker Umbau erfolgte vermutlich um 1730. Aus dieser Zeit stammt der Wappenausleger mit zwei goldenen zweischwänzigen böhmischen Löwen und einem goldenen Hirschen in der Wappentafel. Der Ausleger wird zurzeit restauriert und danach wieder an der Fassade angebracht. Zudem wird das Wappen über dem Eingang, welches das Bild der Heiligen Dreifaltigkeit zeigt, neu gefasst. Das Baudenkmal betritt man von der Nordseite her über ein gotisches Sandsteinportal, welches wegen optischer Schäden mit Putz überzogen wurde und dessen Sandstein nicht mehr sichtbar ist. Nach dem Eingang, gelangt man in einen breiten Flur, der die gesamte Gebäudebreite einnimmt. Die Gasträume gehen links und rechts vom Flur ab. Der linke Gastraum mit 42 Quadratmetern wurde im Zuge der Sanierung neu gestaltet. „Dendrochronologische Untersuchungen der Deckenbalken zeigten, dass eine Deckenbalkenlage im Gastraum im Winter 1827 gefällt wurde, die im gleichen Raum befindlichen Reste einer älteren Balken-Bohlen- Decke konnten auf das Jahr 1522 datiert werden“, erläutert Alfred Härtl.

Er bedauert, dass diese aus brandschutztechnischen Gründen von unten entsprechend verschlossen werden musste, so dass diese nicht mehr sichtbar ist. Dem Gastraum angegliedert ist noch ein 34 Quadratmeter großes Nebenzimmer, in der, einzigartig in Hirschau, eine Lounge eingerichtet wurde.

Im Erdgeschoss befindet sich weiter eine jahrhundertealte offene Rußküche, in der früher nicht nur gekocht, sondern das ganze Haus beheizt wurde und die jetzt in eine moderne Küche umfunktioniert wurde. Nach sorgfältiger Abnahme des alten aus den 70er Jahren stammende Decken- und Wandputz wurden die Gewölbe wieder neu verputzt. Die Wände und Gewölbedecken waren dick von schwarzem Ruß belegt. „Im 20. Jahrhundert kam es zu umfangreichen Umbauarbeiten im Gebäudeinneren, wo leider viel alte Bausubstanz zerstört wurde“, bedauert Alfred Härtl.

Im rückwärtigen Bereich, im Nebengebäude auf der Westseite, wurden jetzt die Sanitärräume untergebracht. Im Obergeschoss haben Gästezimmer mit einer exklusiven Ausstattung Eingang in das bauliche Kleinod gefunden. Den Aufgang mit Wendeltreppe zieren noch eine alte Sandsteinsäule und ein Sandsteinsturz.

Das Dachgeschoss besitzt einen barocken Dachstuhl mit Lehmschlagdecken, die, wie ein Stück Lehmwand, erhalten werden konnte. Nicht nur das Hauptgebäude wurde neu gestaltet, sondern auch der Biergarten im windgeschützten Innenhof. Im Juli sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen sein.