Ein Idyll

Schnaittenbach. (ads) Dort, wo sich die Natur in ihrer Vielfalt und wilden Schönheit noch ungestört entfalten kann, wächst derzeit der wohl kleinste Wildlehrpfad der Oberpfalz heran. Gerade 4000 Quadratmeter umfasst das Areal des Schnaittenbachers Werner Biller, der in Eigeninitiative den außergewöhnlichen Pfad Schritt für Schritt wachsen lässt.

„Was dir die Bäume sagen, was dir die Steine flüstern, was dir der Himmel zeigt, was dir das Bächlein raunt, wird dir niemals ein Mensch sagen können“, ist der Leitspruch, den Biller über sein Unternehmen gestellt hat. „Die Natur kennt keine Eile“, meint er, der vor zwei Jahren mit der Realisierung des Pfads begonnen hat.

„Seit meiner Kindheit hat die Natur aufgrund ihrer Genialität und ihrer Schönheit schon immer auf mich eine gewisse Faszination ausgeübt“, meint Biller, der vor etlichen Jahren dieses Grundstück nahe der Faberschlemm erworben hat. Das Dickicht an Wald und zwei kleine Himmelweiher, alles im wilden Zustand, hätten ihn angesprochen, um Ruhe und Frieden zu finden und Kraft zu tanken, stellt Biller fest.

Mit der Realisierung des Industriepfades I, dem ersten Objekt des Geoparks Kaolinrevier, der im November 2006 eröffnet wurde, wurde das Gebiet Wanderern erschlossen. Genau diese brachten Werner Biller auf die Idee, als Ergänzung zum Industrie- einen Wildlehrpfad anzulegen. Die Marschierer auf dem Industriepfad – dieser führt direkt am Biller-Grundstück vorbei –waren sich wiederholt uneins, welche Bäume, Sträucher und Kräuter wohl den Wegrand zieren würden.

Dies dürfte zwei Jahre her sein, erinnert sich Biller, der dann zur Tat schritt. Entlang des Grundstücks beschriftete er Bäume und Sträucher. Die „kleine Allee“ zieren Weiden undWeymouthkiefern, Stein- und Stieleiche, Robinie und Bergahorn sowie Vogelbeerbaum, Haselnuss und Weißdorn. Bei der Erle ist zu lesen, dass man früher ihre Zapfen eingelegt hat, um Tinte zu gewinnen.

Dass ein Totholzhaufen für Insekten, Käfer, Kleintiere und Spinnen als Nist-, Entwicklungs- und Überwinterungsmöglichkeit und Rückzugsraum dient, ist entlang des Weges ebenso zu erfahren. Ein Wetterstein grüßt Passanten mit eher humorvollen Prognosen. Als im Januar 2007 „Cyrill“ eine Schneise der Verwüstung zog, war auch Billers dichter Wald betroffen.

Doch nach unzähligen Arbeitsstunden präsentiert er sich als helles, freundliches Wäldchen. Mit einem wie ein Streichholz abgeknickten Baumstumpf hat der Naturfreund dem Orkan ein Erinnerungsmal gesetzt. Dort wo „Cyrill“ eine Lichtung geschlagen hatte, ist ein Obstgärtlein mit vorwiegend alten robusten Baumsorten entstanden. Daneben bietet der Pfad eine Menge heimischer Wildkräuter, die nach und nach mit Beschreibungstäfelchen erfasst werden.

Ebenso üppig wie die Pflanzen- ist auch die Tierwelt vertreten. So hat Biller eine Eidechsenburg aus Steinen aufgeschichtet, die inzwischen verschiedenen Reptil Arten eine Herberge bietet. Auch Blindschleiche und Ringelnatter und selbst Kreuzottern sind hier als Gäste zu beobachten. „Also Vorsicht!!! Und bitte nicht stören!!!“, ist auf dem „Hausschild“ zu lesen.

In den zwei Weihern tummeln sich Fische, die unsere heimischen Gewässer besiedeln wie Rotfeder, Rotauge, Karpfen, Forelle und Schleie, berichtet Biller, der sich im Sommer morgens und abends schöner Froschkonzerte erfreuen kann. Stark vertreten ist die Insektenwelt, etwa grazile Libellen auf Nahrungssuche.

Biller ist es ein Anliegen, dass der Pfad nur erwandert wird. Zum einen gibt es keine Parkmöglichkeiten, zum anderen wären Flora und Fauna durch Motorfahrzeuge gestört. Seine Bitte lautet: „Nur in der Stille und Ruhe enthüllt dem Staunenden und Lauschenden die friedliche Natur ihre faszinierenden Geheimnisse.“