Biber bevölkert Ehenbach

Hirschau. (ads) Als genialer Landschaftsarchitekt gestaltet der Biber durch den Bau von Burgen und Dämmen wie keine zweite heimische Tierart aktiv seinen Lebensraum und schafft dadurch dynamische Biotope, die für viele andere Tierarten beste Lebensbedingungen bieten. Mit seiner regen Bautätigkeit hat er auch eine enorme Bedeutung für den Auen- und Hochwasserschutz, so dass Natur und Mensch von der Rückkehr des Urbayern in den 60er Jahren in seine ursprüngliche Heimat profitieren.

Der fleißige und ausdauernde Handwerker hat es aber auch faustdick hinter den Nagern, davon ist zumindest Josef Basler von der Hölzlmühle überzeugt. Denn diesem Landwirt kommt er mit seinen nächtlichen Bauaktivitäten mächtig in die Quere, wenn er mit seinen Dämmen in einem Seitenarm des Ehenbachs für die Überschwemmung seiner Ackerflächen sorgt.

Seit 1867 ausgerottet, hat man 1966 die fleißigen Holzarbeiter in Transportkisten des Bundes Naturschutz im Rahmen eines Aussetzungsprojekts an die Donau zum Ausgangspunkt für die erfolgreiche Wiederbesiedlung zurückgeholt.

Bis 1980 hat der Bund Naturschutz mit Genehmigung der Behörden etwa 120 Biber in Bayern angesiedelt, die inzwischen auf einen geschätzten Bestand von schätzungsweise 12 000 Tiere in etwa 3000 Biberrevieren angestiegen sind. Mit der sich über Jahre erstreckenden Renaturierung des Ehenbachs ist auch der Biber zurückgekehrt. Geraume Zeit hätte der Riesennager seine Bautätigkeit in geringer Entfernung der Holzlmühle rund um das sich dort befindliche Klärwerk und den angrenzenden Weiherkette frei entfaltet, erinnerte sich Josef Basler. Hier sei dann das Landratsamt eingeschaltet und vor rund vier Wochen ein Biber weggefangen worden.

Im Vorfeld seien laut Basler bereits die dort stehenden großen Bäume mit Drahtgeflechten vor ihm geschützt worden, nachdem der Riesennager schon eine ganze Reihe gefällt hatte. Nicht schlecht staunte der Landwirt allerdings, als er kurz Zeit nach der Entfernung des Tiers bei der Kläranlage die Spuren eines Bibers genau an dem Seitenarm entdeckte, der sich durch seine Ackerflächen schlängelt.

Die Vermutung liege für ihn nahe, dass „Mr. Borchert“ kein Einzelgänger gewesen sei, sondern hier mit seiner Familie angesiedelt sei. Mit der Renaturierung des Ehenbachs seien auch ausreichend breite Seitenstreifen an den Bachufern angelegt worden, um die in den Uferbereichen des Ehenbachs und seiner Seitenarme potenziellen Konflikte zwischen den Landwirten und dem Biber vorzubeugen, ließ Basler wissen. Er musste aber bereits die Erfahrung machen, dass der fleißige Handwerker durch den Bau seiner Dämme die Drainagen seiner angrenzenden Felder lahm lege und diese dann überwässern.

Dies bedeute für den Landwirt, dass er die gepachteten Felder mit seinem Traktor nicht mehr befahren und somit nicht bewirtschaften könne. „Ich zahle für die Felder Pacht und habe keinen Ertrag“, bringt es der verärgerte Landwirt auf den Punkt. Zudem sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Bach durch die zahlreichen, stets wachsenden Dämme soweit aufgestaut sei, dass er die Felder überflute. Schwerwiegender als die Überschwemmung wiegt allerdings die Befürchtung von Josef Basler, dass der Biber die Straßen unterwandere und diese Straße einbrechen könnten.

Der Pressesprecher am Amberger Landratsamt Hubert Uschald informiert, dass das Amt betroffenen Land-, Forst- und Teichwirten im Rahmen des Bayerischen Bibermanagements seine Hilfe anbiete. „Das Biberrevier bei Ehenfeld ist nach Beobachtungen der Naturschutzbehörde voll besetzt, ein Tier wurde bereits bei der Kläranlage weggefangen“, bestätigt Uschald.

Die Tiere hielten sich nach seinen Aussagen vorwiegend im renaturierten Bereich des Bachs auf. Das Landratsamtstelle Drahtgeflechte zum Schutz vom Bäumen zur Verfügung. Manchmal würden laut Pressesprecher auch Verbissschutzmittel helfen, mit denen Stämme bestrichen werden. „Schließlich gibt es noch ein mobiles Ultraschallgerät, das über einen Bewegungssensor verfügt, der wiederum einen Ton auslöst, der 80 Prozent der Biber vergrämt“, macht Uschald Hoffnung für Josef Basler.

Er weist darauf hin, dass die Betroffenen Schäden umgehend bei der Unteren Naturschutzbehörde melden müssten, die zum Beispiel Fraßund Vernässungsschäden an landwirtschaftlichen Kulturen oder land- und forstwirtschaftliche Flurschäden ersetzten könne.