Auch als Fahrrad sehr wertvoll

Hirschau. (ads) Die Technik und die Patina der Fahrrad-Oldtimer waren es, die auf Norbert Amann an vor acht Jahren bei einer Ausfahrt mit antiken Rädern eine gewisse Faszination ausgeübt haben, die ihn bis heute nicht losgelassen hat. Inzwischen hat es sich der pensionierte Eisenbahner zur Aufgabe gemacht, die für ihn „wertvollen Kulturgüter“ zu sammeln, um sie in Original zu erhalten.

Über 60 Knochenrüttler von anno dazumal, drei alte Mopeds, zwei Motorräder und einen Oldtimertraktor Fendt Diesel hat er schon mit viel Liebe zum Detail bei Erhalt der Patina restauriert, darunter Fahrradraritäten der Marke Mercedes aus dem Jahr 1924. Infiziert vom Fieber nach alten Fahrrädern hätte er sich bei einer Kulturfahrt mit Fahrrad-Oldtimern unter der Federführung des Fahrradliebhabers und absoluter Kenners der Materie Hans Prem aus Witzlhof, wo er dasFahrrad als wertvolles Kulturgut schätzen lernte, erinnerte sich Norbert Amann.

Diese Fahrradoldtimer hätten ihn dann nicht mehr losgelassen. Er ist zunächst dem Verein „Historische Fahrräder“ mit Sitz in Bad Brückenau beigetreten, der für seine Mitglieder wichtige Informationen per Vereinszeitung und Referenten wie regelmäßige Treffen liefert und eine Börse für Räder und Ersatzteile unterhält. Eines der ersten Fahrräder des Sammlers war ein Rad der Marke Mars aus dem Jahr 1921, das er damals in einem super Zustand in Hüttendorf bei Lauf bekommen hätte. Inzwischen zählt es zu seinem schönsten und ältesten Sammelobjekten. Dieses Mars-Fahrrad hat einem ehemaligen Bader gehört, der damit seine Hausbesuche erledigt hätte und dessen Arbeitskoffer er als Dreingabe erhalten hätte, erzählte Norbert Amann.

Gerade im Nürnberger Raum wurde Norbert Amann auf der Jagd nach neuen Sammelobjekten immer wieder fündig, denn hier hatte sich eine Hochburg an Fahrradherstellern für den Süddeutschen Raum mit Herkules, Viktoria, Express und Triumph beispielsweise entwickelt.

Sein ganzer Stolz stammt aber aus Oberviechtach. Es ist eines der seltenen Mercedes Fahrräder aus der ersten Serie, von denen das Unternehmen von 1924 bis 1926 gerade 25 000 Stück hergestellt hatte. Norbert Amann hat es für 65 Euro erworben. Der damalige Kaufpreis wäre nach seinen Aussagen je nach Ausstattung zwischen 107 und 168 Reichsmark gelegen. Das gute Stück trägt die Produktionsnummer 4165 und zählt zu den wertvollsten und sicherlich interessantesten Sammelobjekten des Fahrradliebhabers.

Ein Kardan-Rad ist ebenfalls unter der Sammlung zu finden, dessen Technik ohne Kette auskommt ebenso wie Damenrad mit Drei-Gang-Tretlagerschaltung von Adler. Gerade in der Technik liegt für Norbert Amann neben der Patina die Faszination an den alten Fahrrädern. „Die Technik des Freilaufs ist einfach und genial, so dass sie 100 Jahre unverändert überstehen konnte“, betonte der leidenschaftliche Sammler. Doch Norbert Amann beschränkt sich nicht auf das Sammeln der Knochenrüttler, sondern nach dem Erwerb geht es an die Restaurierung oder besser Konservierung, die er mit viel Liebe zum Detail betreibt: „Das oberste Gebot bei der Restaurierung ist der Erhalt der Patina mit allen Zeichen der Zeit und damit des Urzustands“. Eine Unterstützung bei der Restaurierung erhält er durch den Zweiradspezialisten Siegfried Kohl aus Kohlberg, mit dem er auch fachsimpelt und Sammelobjekte austauscht.

Erst in diesem Jahr ist das Bayerische Fernsehen auf Norbert Amann durch Zufall aufmerksam geworden, wo er seine Sammelleidenschaft in der Sendung „Unter unserm Himmel“ vorstellte. Er bestückt überdies die derzeitige Ausstellung im Stadtmuseum über die 70er Jahre mit einem Bonanza-Rad und zwei Klapprädern.

Er bedauert schwer, dass es die regelmäßigen offenen Sperrmüllsammlungen nicht mehr gibt, die unter den Sammlern als ausgezeichnete Fundgrube für Räder und Ersatzteile gegolten haben. So wird er weiter auf Flohmärkten und über die AZ auf Jagd nach neuen Objektengehen.