Alte Beichtstühle ersetzen neue

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Alfons Nagler und Theo Leißl restaurieren über einhundert Jahre alte Holzkonstruktionen

Schnaittenbach. (ads) In den vergangenen acht Monaten haben Alfons Nagler und Theo Leißl mehr als 1000 Arbeitsstunden damit verbracht, die beiden antiken Beichtstühle der Stadtpfarrkirche St. Vitus aus dem Jahr 1912 mit viel Fleiß und noch mehr Liebe zum Detail aufwändig zu restaurieren. Die gelungenen Werke wurden nun Pfarrer Josef Irlbacher übergeben, der in diesem Jahr die Osterbeichten bereits in den neuen Beichtstühlen abhalten kann.


Aufgrund der Kirchenerweiterung (1910/11) mussten damals neue Beichtstühle angeschafft werden, die bei der Firma Frauendorfer in Amberg in Auftrag gegeben wurden und im Jahr 1912 zu je 499 Mark geliefert wurden. Die Beichtstühle fanden im neuen Querschiff beim Marien- und Josefsaltar zwischen den Evangelistenfenstern auf der Nord- und Südseite ihren Platz, wo sie zur
Hälfte in der Mauer versenkt wurden. Diese reich aus Eichenholz geschnitzten Kunstobjekte wurden bei der letzten Innenrenovierung im Jahr 1973 unter dem damaligen Pfarrer Josef Kett aus der Kirche entfernt. „Übereifrige“ Arbeiter wollten diese Kunstwerke mit Vorschlaghammerm und Axt zerstören, wovor sie Alfons Nagler rettete.

Er transportierte die beiden Beichtstühle mit dem Bulldog in seinen „Schupfen“, wo sie über Jahrzehnte lagerten. Vier neue unpassende Beichtstühle, die eher „Schränken“ glichen, kamen 1974 in den hinteren Bereich der Kirche in das Langschiff, wo sie auch zur Hälfte in die Wand versenkt wurden. Zwei davon wurden 2003 aus dem Kirchenschiff entfernt; an deren Stelle entstand der Franziskusaltar im Rokokostil an der Nordseite und der kleine Herz-Jesu-Altar mit dem Verzeichnis der Verstorbenen aus der Pfarrei auf der Südseite; die beiden anderen Beichtstühle kamen in die Taufkapelle.


Als nun das Beichten in St. Vitus aufgrund des modrigen Geruchs, in den vom Schimmel befallenen Beichtstühlen, die allmählich zusammenstockten, für Pfarrer und Gläubige immer unangenehmer wurde, regte Stefan Siegert im Pfarrgemeinderat die Restaurierung der alten Beichtstühle an. Von diesen waren nur noch die Schnitzereien vorhanden, so dass einiges ergänzt werden musste. Ein Blumenkorb mit Früchten in Form einer großen Kugel musste nachgeschnitzt werden. Neben den weiteren großen Schnitzarbeiten mit den Bildern vom Hl. Johannes den Täufer und der Hl. Maria Magdalena, die die Mitte der beiden Beichtstühle zieren, schuf Alfons Naglerm für beide Beichtstuhl noch sogenannte Schleierbretter in Form von Akanthusranken, um die Wand und die Kabeln für die Elektronik zu verstecken. Die Arbeitszeit für die Schleierbretter alleine betrug 14 Tage. Weiter wurden die Beichtstühle umgearbeitet und aus den ursprünglich drei „Kammern“ wurden zwei gemacht, damit Pfarrer wie Gläubige mehr Platz im Beichtstuhl haben.


Alles in allem benötigten Alfons Nagler und Theo Leißl 1000 Arbeitsstunden für Gottes Lohn, um aus den Resten der alten Beichtstühle wieder Kunstwerke zu schaffen, die den antiken Originalen zum Verwechseln ähneln.