Späte Würdigung

11.12.2013
Späte Würdigung

Hirschauer Steingut wird weltweit wiederentdeckt

Hirschau. (ads) Das Wissen und die Sammlungsbestände zur Steingutherstellung in Hirschau wachsen ständig. Hier und in der näheren Umgebung sind es vor allem der Festspielverein sowie Michael und Kristine Popp, Pfarrer Klaus Haußmann in Ammerthal und die Familie Hoffmann-Ehringer, die die Schätze zusammentragen. Alles in allem dürften hier um die 7000 Objekte aus allen Phasen der 130-jährigen Geschichte bekannt und verfügbar sein, nicht gerechnet die Tausende Stücke, die sich in Hirschau in Privatbesitz befinden.

An zwei Stellen arbeitet man an der Einrichtung eines eigenen Steingutmuseums, ohne dass sich bislang ein konkreter Fertigstellungstermin abzeichnet. Als absoluter Kenner des Hirschauer Steinguts und Buchautor hat Michael Popp in der Kaolinstadt schon drei Steingutausstellungen sowie eine Schaufensterausstellung auf die Beine gestellt, die sich eines enormen Zuspruchs erfreuten. Er war es auch, der das Interesse am Hirschauer Steingut unter der hiesigen Bevölkerung bis weit über die Landesgrenzen hinaus wieder geweckt hat. In diesem Jahr war er überdies Mitveranstalter der Zeisel- Ausstellung inWeiden.

2013 war, ohne dass es jemand offiziell ausgerufen hätte, das Jahr von Eva Stricker- Zeisel. Ja, es gab auf die Initiative von Michael Popp hin geradezu einen Boom. Bei Eva Zeisel handelt es sich um eine der weltweit ganz großen Keramikkünstlerinnen des 20. Jahrhunderts. 1931 hat sie von Berlin aus ihre herausragend modernen Geschirre und andere Gebrauchsgegenstände für die Firma Carstens in Hirschau entworfen. Jetzt erst wurde ihr die zustehende Anerkennung zu Teil: In Deutschland haben in diesem Jahr zwei Ausstellungen ihre Entwürfe für Hirschau gewürdigt, gleichzeitig sind vier Publikationen erschienen.

In Berlin wurden sie im Frühjahr im Broehan-Museum gezeigt, im Sommer im Internationalen Keramik Museum, Weiden. Nach Auskunft des Weidener Museums handelte es sich um die bisher bestbesuchte Sonderausstellung der letzten Jahre. Das Besondere dieser Ausstellung: Erstmals gibt es einen umfassenden Überblick über die Entwürfe des Jahres 1931 für Hirschau. Manche der Ausstellungsstücke sind bisher nur ein einziges Mal aufgetaucht, also seltene Raritäten. Das ist auch der Grund, warum einige Sammler bis aus den USA und der Schweiz angereist sind und die Hirschauer Stücke bewundert haben.

In USA gibt es ein internationales Zeisel-Forum, in dem viele Zeiselsammler zusammengeschlossen sind und sich wissenschaftlich austauschen. Zeisels Entwurfspalette für Hirschau war ihnen jedoch noch kaum bekannt. Dass Zeisel gerade in den USA so beliebt ist, hängt damit zusammen, dass ihre große Karriere nach der Vertreibung durch die Nationalsozialisten in den USA erfolgte und man dort schon bald ihre Bedeutung erkannte. Als erste Keramikkünstlerin wurde ihr 1946 im Modern Art Museum MOMA eine eigene Ausstellung gewidmet. Eva Zeisel gestaltete dafür ein eigenes Kaffeeservice, das sie dem Anlass entsprechend „Museum“ nannte.

Jetzt ist eine 256-seitige Dokumentation ihres Gesamtwerkes in englischer Sprache „Eva Zeisel – Life, Design and Beauty“ bei Cronicle Books, San Francisco (ISBN 978-1-4521-0852-0) erschienen. Somit stehen nun neben diesem Buch zur Verfügung:

Die beiden Kataloge „Avantgarde für den Alltag“ des Berliner Broehan-Museums, „Eva Zeisel – Keramik Design“ des Museums in Weiden und und das vor allem für Hirschau informative Buch „Eva Zeisel – Keramikentwürfe für Hirschau“, erhältlich bei Zeitschriften Roth und im Rathaus sowie unter m.popp@popp-und-partner.de.