Einblick in früheste Geschichte

10.02.2014
Kirchturm

Ergebnis von Grabungen: St. Vitus möglicherweise Bestandteil eines mittelalterlichen Herrensitzes

Schnaittenbach. (ads) „Erkenntnisse über das Werden und Wachsen unserer Gesellschaft und ihrer Strukturen und Verstehen, von wo wir kommen und warum wir das sind, was wir sind“ zieht der Historiker Dr. Mathias Hensch bei der Fundamentsanierungen der Stadtpfarrkirche St. Vitus. Dieser Beitrag zur Geschichtsforschung ergibt sich aus archäologischen Funden, die die Bauhistorie und den Ursprung der Vituskirche betreffen. Sie geben die Einblicke in die früheste Geschichte des ganzen Ortes.

Über die mittelalterliche Frühzeit Schnaittenbachs und seiner Vituskirche ist aussiedlungs- und baugeschichtlicher Sicht so gut wie nichts bekannt, musste schon der Chronist Georg Landgraf feststellen.

1271 erstmals erwähnt

Aus archäologischer Sicht ist belegt, dass die Grafen von Sulzbach während des späten 11. und im 12. Jahrhundert hier ein geschlossenes Besitztum hatten. Erstmals wurde der Ort Schnaittenbach urkundlich im Jahre 1271 erwähnt. Wenn man bislang weder etwas über das wahre Alter der Kirche noch über die unterschiedlichen Vorgängerbauten gewusst habe, so sei jetzt klar, dass der zuletzt im frühen 20. Jahrhundert erheblich veränderte und erweiterte Kirchenbau eine komplexe und wohl auch sehr weit zurückreichende Baugeschichte besitze, stellt Hensch klar. Laut dem Archäologen sind für den mittelalterlichen Ostteil der Kirche mindestens fünf, ja vielleicht sogar sechs Steinbauphasen nachweisbar, deren älteste möglicherweise auf die früh- oder gar vorromanische Zeit zu datieren sei. Im Bereich der Nordwand der Kirche gibt es die ältesten Funde. Man geht aufgrund der Untersuchungen im westlichen Teil der Nordwand von Resten einerersten kleinen Saalkirche aus.

Hensch nimmt an, dass diese nach relativ kurzer Zeit oder im Zuge einer Planänderung noch im gleichen Bauvorgang nach Osten verlängert wurde. Mit gewissem Vorbehalt datiert der Wissenschaftler die Bauphase des hier vorgefundenen Mauertypus auf den Zeitraum vom frühen 10. bis zum 13. Jahrhundert.

Den Großteil der stehenden Südwand datiert Hensch auf die salische Zeit. Sie ist seiner Ansicht nach die Südwand eines Saalbaus, zudem auch ein erhaltener Mauereinzug eines romanischen Chors im Inneren des Turms gehören dürfte. „Wenn auch die schriftliche Überlieferung für das frühe 18. Jahrhundert von einer nahezu vollständigen Niederlegen der ruinösen Kirche berichtet, darf man davon ausgehen, dass ein großer Teil der stehenden Kirche noch romanischen Ursprungs ist.“

Turm später erbaut

Den heute noch zum Großteil stehenden Chor hat die Kirche im 14. Jahrhundert erhalten, der romanische Chorist wahrscheinlich weitgehend abgebrochen worden. Die Bauzeit des Chors liegt zwischen 1348 und 1368.

Ab 1461, also rund 100 Jahre später, wurde erst der Turm als Anbau im Süden an den gotischen Chor errichtet. Für eine große Überraschung sorgte bei den Untersuchungen die Entdeckung mittelalterlicher Baureste südlich und nördlich der Kirche. Hier stellt sich prinzipiell die Frage, ob die hochmittelalterliche Kirche Bestandteil eines Herrensitzes des 11. bis 13. Jahrhunderts gewesen ist, dessen Gründung auf die Grafen von Sulzbach zurückgehen könnte.

„Die archäologische Begleitung der Sanierung der St.-Vitus-Kirche in Schnaittenbach belegt, welch großes historisches Potenzial selbst in kleinen, kurzfristig durchgeführten Untersuchungen liegt“, betont Mathias Hensch. Die konsequente Beteiligung der Bodendenkmalpflege liege nicht allein im Interesse der Denkmalpfleger, sondern auch in dem der Bauherren, der betreuenden Architekten und erst recht der Kirchengemeinde und der Bewohner, denn die Geschichte des Orts komme dadurch ans Tageslicht.