Weit verbreitet und sehr alt

12.06.2014
Weit verbreitet und sehr alt

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Die Vogelmiere: fast vergessenes „Unkraut" wiederentdecken

Schnaittenbach. (ads) Kräuterführerin Sigrid Fischer widmet sich heute dem unscheinbaren Wildkraut „Vogelmiere" (Stellaria media). Durch die sternförmigen Blüten nennt man das Wildkraut im Volksmund „Sternmiere" oder auch „Hühnerdarm", entweder weil die oft schlaff am Boden liegenden Stängel an Gedärm erinnern oder wegen dem zähen Faden in den Stängeln. Die Vogelmiere ist wohl das weltweit am weitesten verbreitete „Unkraut". Seit der jüngeren Steinzeit begleitet sie den Menschen.

Sie galt im Mittelalter bist zum Wirtschaftsaufschwung als Hackunkraut. Sie wurde als gesunde Zweiternte neben den angebauten Kulturpflanzen abgeerntet. Die abgeernteten Felder durften vom Herbst bis zum Frühjahr von jedermann zum Sammeln der Wildkräuter genutzt werden.

Heute wird dieses vergessene Wildkräuterwissen von renommierten Wildpflanzenköchen wieder entdeckt. Inhaltsstoffe: Viel Vitamin A (Carotin) und Vitamin C, viele Mineralstoffe vor allem Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kieselsäure, Chlor, Saponine, Gerbstoffe, Eiweiß, etwas Rutin. So decken 150 Gramm Vogelmierenkraut den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C, Eisen und Kalium! Nur 50 Gramm Kraut decken schon den Tagesbedarf an Vitamin C. Aufgrund des Saponingehalts sollten jedoch nicht zu große Mengen verspeist werden.

In der Erfahrungsheilkunde wird vom rohen Vogelmieren-Saft erzählt, dass er auch starke Gelbsucht heilt. Bei Leberreizung sei das Wildkraut ebenso heilsam und beseitige auch chronische Verstopfung. Als herzstärkend erkannte Pfarrer Künzel das Kraut.

Die Vogelmiere erkennt man an ihrem runden, saftigen Stängel, der nur auf einer Seite mit kleinen Härchen besetzt ist. Mit diesen Härchen nimmt sie auch Tau auf, weshalb sie keine tiefen Wurzeln braucht. Außerdem haben ihre milchweißen Blüten purpurne Staubgefäße. Untrüglich ist natürlich ihr Geschmack, der an junge Maiskölbchen oder Erbsen erinnert.

Im Winter kann man sie mit Ehrenpreis (Veronica) verwechseln, der auch kleine Rasen bildet und eine Heilpflanze ist. Ab Frühling kann man sie mit anderen Sternmieren-Arten (Stellaria species) verwechseln, wobei alle Arten essbar sind.

Als Wetteranzeige dienen die Blüten. Sind sie ganz geöffnet, soll für die nächsten vier Stunden Sonnenschein sein. Sind die Blüten nach 9 Uhr noch geschlossen, sollte man den Regenschirm mitnehmen.