Nur die Erinnerung bleibt

01.08.2014
Die Rablmühle – wie sie der Weidener Maler R. Frischholz sah.

Rablmühle zwischen Weiherhammer und dem Kohlberger Ortsteil Röthenbach seit langem Geschichte

Kohlberg. An einem schönen Tag am Waldweg zwischen Weiherhammer und dem Kohlberger Ortsteil Röthenbach hält ein netter älterer Herr und will wissen,wo denn da die Rablmühle ist. „Fünfzig Meter da runter zum Weiher, dort steht ein Gedenkstein“, bekommt er von mir zur Antwort.

Diese alte Mühle im Wald gibt es ja schon lange nicht mehr. Nur einige Mauerreste der Nebengebäude dämmern abseits vom Dammweg unter Gestrüpp verborgen noch vor sich hin. Wachgehalten wird die Erinnerung an das 1539 erstmals urkundlich erwähnte Bauwerk durch einen Gedenkstein, den Heiner Hirsch 2002 dort aufstellen ließ.

Daneben wächst ein alter Mühlstein aus dem Gras und eine gemütliche Bank lädt zur Rast. Ein Stück weiter gurgelt das „Röihmbachl“, wie die Einheimischen sagen, an den rostigen Resten des alten Staudamms vorbei. Der brach im Juni 1984 bei starkem Gewitter und das Wasser aus sechs Hektar Fläche wälzte sich talwärts Richtung Weiherhammer.

Der ältere Herr hat mit seiner Frage meine Neugier geweckt, wir kommen ins Gespräch. Sein Onkel Georgwar der Vater von Heiner Hirsch und letzter Pächter der Mühle. Da seine Söhne andere Berufe wählten, wurde der Betrieb 1959 eingestellt. Die Familie von Grafenstein verkaufte daraufhin 1960 das ganze Areal an die Forstverwaltung. In den folgenden Jahren verfiel das verwaiste Anwesen zusehends, bis 1974 die Gebäude wegen Einsturzgefahr abgerissen wurden. Vorher hat der Weidener Maler R. Frischholz das Aussehen der Mühle noch in einer Zeichnung der Nachwelt erhalten. „In den 50er Jahren, habe ich öfter eine Woche in den Schulferien da verbracht“, berichtet mein Gesprächspartner. „Aus dem Dachfenster dort oben, habe ich auf den Weiher geschaut“. Er zeigt auf die Gebäude-Skizze an dem Gedenkstein.

Und erzählt: „Dou hout amaal da Onkl Schorsch im Fröihling aa Henner aa’gsetzt g’hatt“, damit sie junge Küken, also „Gluckerler“ ausbrüten sollte. Am Weiherarm gegenüber saß gleichzeitig eine Wildente im Nest. Der Schorsch kam mit seiner Frau Emma auf die Idee, die Eier auszutauschen und so nicht nur eine Schar Küken, sondern auch noch etliche junge Enten, also „Wuserler“ zu erhalten. Gesagt, getan. Die Küken unter dem Bauch der Entenmama schlüpften bald und der Müller ging hin, sie zu holen.

Nur hatte er nicht mit schützenden Mutterinstinkten gerechnet. Die Wildente schob mit sanfter Gewalt ihrer Flügel die Jungtiere ins vermeintlich rettende Wasser. Da aber nun Gluckerler keine „Wasserviecher“ sind, also nicht von Natur aus schwimmen können, ertrank ihre ganze Brut elend im Weiher. Die Henne mit den Entenküken zeigte auch bald stolz ihr Völkchen im Mühlenhof. Der war mit einem Maschendrahtzaun zum Mühlbach hin abgetrennt.

Für die Gluckhenne unüberwindbar, aber für die Wuserler kein Problem. Sie schlüpften flugs durch die Zwischenräume, plumpsten ins Wasser, schwammen weg und kamen nie mehr zurück. „Äitz san d’ Gluckerler daasuffa und d’ Wuserler daavoo“, berichtete der Müllner-Schorsch seiner Emma. Dumm gelaufen damals, aber danke an den älteren Herrn für die nette Geschichte.