Evergreens und bekannte Melodien

Harald Schertl unterhält mit seiner Schlagerparade Heimsenioren

Hirschau. (u) Tatort Mittwochnachmittag, 15 Uhr, Festsaal des BRK Seniorenwohn- und Pflegeheims St. Barbara: Rund drei Dutzend Seniorinnen und Senioren sind dort versammelt und singen genauso inbrünstig wie textsicher den Roy- Black-Hit „Ganz in weiß mit einem Blumenstrauß. So siehst du in meinen schönsten Träumen aus…“.

Vor dem singenden Publikum steht mit Harald Schertl ein Vollblutmusiker. Er liefert mit seinem Keyboard die Begleitmusik zu dem zu Herzen gehenden Oldie. Damit jeder von der ersten bis zur letzten Strophe mitsingen kann, hat er eine Leinwand aufgebaut. Auf ihr sind die Songtexte zu sehen.

Alle zwei Wochen lässt er bei seiner „Schlagerparade“ eine Stunde lang Schlagermelodien der sechziger und siebziger Jahre erklingen. Seit drei Jahren lockt sie nicht nur die Heimbewohner, sondern auch externe
Gäste an. So mancher, der begeistert mitsingt, hat vor Jahrzehnten zu den Schlagern das Tanzbein geschwungen und Harald Schertl ist mit seiner selbstgebauten elektronischen Orgel ebenfalls auf der Bühne gestanden – allerdings nicht alleine, sondern als Mitglied der „Kapelle Meier“.

Diese trat am 15. Dezember 1963 in der Besetzung Schorsch Meier (Schlagzeug), Peter Steinborn (Bass), Heinz Falkenstein (Saxophon) und Harald Schertl im „Gasthaus am See“ (Mödl) am Südufer des Moosweihers erstmals bei der BRK-Weihnachtsfeier öffentlich auf. Damals war in Hirschau jeden Samstag Tanz beim Mödl Bartl und sonntags im Café Haas bei der Schindler Berta, später auch im „Kurvencafé“ bei der Heyer Erna.

Als Ende 1969 Schorsch Meier die Trommelstöcke ablegte und Peter Steinborn wegzog, gab es mit Hans Schlaffer einen neuen Schlagzeuger und einen neuen Namen. Das Trio Schertl, Falkenstein, Schlaffer nannte sich „Die Monte Kaolinos“ und zog als Hauskapelle ins Amberger Café Bauer ein. Später wurde man wieder zu einer Vier-Mann-Kapelle mit wechselnden Gitarristen. So brachte z.B. „Jimmy“ Szymczak junges Blut in die Runde. Lange Zeit spielte die Band im Hotel Waldlust in Schwandorf als „The Thunderbirds“. Später firmierten Harald Schertl und sein Schwager Heinz Falkenstein zusammen mit Udo Steinborn (Gitarre) und Flocki Gebhard (Schlagzeug) sittsam als „Party Combo“.

Ob beim Schlokat Walter in Hiltersdorf, im „Rosenhof“ in Massenricht, in der „Hammermühle“ in Freudenberg, im Café Erras in Raigering oder im „Weißen Schwan“ in Kohlberg – überall hatten Harald Schertl & Co. große Fanclubs. Die Liste der Gasthäuser und Säle, in denen sie zum Tanz aufspielten, ließe sich lange fortsetzen. Höhepunkte waren alle Jahre die großen Faschingsbälle im „Löwenbräusaal“, wie das Josefshaus früher hieß, bei der Familie Schwab bzw. beim Sperber Alfons.

Am 25. Juni 1972 war dann Schluss. Heinz Falkenstein zog es in die Ferne „auf Montage“, Flocki Gebhard verkaufte seine Trommeln und Udo Steinborn tauschte seine Gitarre gegen einen Omnibus und gründete ein Reiseunternehmen. Für Harald Schertl gab es ab diesem Zeitpunkt über viele Jahre nur Hausmusik. Vor drei Jahren kam ihm die Idee, all die Lieder aus seiner unvergesslichen Zeit wieder unter die Leute zu bringen. Im April 2013 bot er der Pflegdienstleiterin des BRK Seniorenheims Waltraud Meyer an, im Heim Musik zu machen, natürlich kostenlos. Diese nahm das Angebot gerne an.

Seit drei Jahren herrscht mittwochs im Heim-Festsaal Schlager-Nostalgie. Ganz oben auf der Wunschliste des Publikums stehen Stücke wie „Es war im Böhmerwald“, „In der Oberpfalz“, der „Schneewalzer“ und nicht zuletzt „Rote Lippen soll man küssen“. Hin und wieder jedoch müssen die „Schertl-Fans“ auch ein weniger bekanntes Stück verkraften.

Seit 2014 erfreut der nicht nur die Hirschauer Senioren. Mit seiner Schlagerparade ist er auch im Seniorenheim „Evergreen“ in Schnaittenbach und sporadisch im städtischen Seniorenheim in Pfreimd zu Gast.