Vom Klavier an die Orgel

Iryna Hermann spielt Instrument nicht nur in der Stadtpfarrkirche Hirschau – Auch Chorleiterin

Hirschau. (u) Als Iryna Hermann vor 13 Jahren aus der Ukraine nach Hirschau kam, dachte sie nicht einmal im Traum daran, die Gottesdienste in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt an der Orgel zu begleiten und einen Kirchenchor zu leiten. Sie hatte keine Ahnung vom Orgelspiel, auch keinerlei Bezug zur Messliturgie der Katholischen Kirche. All das hat sich komplett geändert. Vor gut einem Jahr konnte ihr Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann zur „mit Bravour bestandenen Kirchenmusik-C-Prüfung" gratulieren.


Musikstudium
Was Iryna Hermann, die aus der 80 000-Einwohner-Stadt Shostka im Nordosten der Ukraine stammt, bei ihrem Umzug nach Hirschau bereits bestens beherrschte, war das Klavierspielen. Schon im Alter von sieben Jahren besuchte sie die Musikschule in ihrer Heimatstadt. Mit 18 begann sie ein Musikstudium, das sie nach fünf Jahren erfolgreich abschloss. Sie war zwei Jahre in Hirschau, wo sie ihren Mann Erwin heiratete, als sie Nachbarn darauf aufmerksam machten, dass die Pfarrei einen Organisten sucht.

Für Iryna Hermann hatte im Moment nicht das geringste Interesse für diese Aufgabe. „Das passt für mich nicht. Ich habe keine Ahnung vom Orgelspiel, ich spiele Klavier!" Irgendwann wurde sie von ihrer Schwiegermutter doch in die Kirche geschickt, um sich die Orgel anzuschauen. Ihr erster Eindruck: „O Gott, auf solch einem Instrument kann ich nie spielen. Da müssen ja die Füße auch noch spielen!" Einige Zeit später zeigte ihr die damalige Chorleiterin Christine Hirsch wie das Orgelspiel funktioniert.

Iryna Hermann erschien es einfach zu kompliziert. Kirchenmusikstudent Andreas Feyrer war der nächste, der sie zum Orgelspiel animieren wollte. Von da an machte sie sich beharrlich ans Üben. Schon ein halbes Jahr später begleitete sie den Frauenchor an der Orgel bei einem Beerdigungsgottesdienst.


Kirchenmusikerin

Auch in der Pfarrei Ehenfeld sprang sie bei Gottesdiensten ein. Offenkundig sprach es sich herum, dass die Autodidaktin das Orgelspiel in der Zwischenzeit sehr gut beherrschte. Jedenfalls wurde sie auch von den Pfarreien in Schnaittenbach und Gebenbach eingeladen.

Schließlich entschloss sie sich, eine Ausbildung zur nebenberuflichen Kirchenmusikerin zu beginnen. Zwei Jahre lang fuhr sie alle 14 Tage samstags zum ganztägigen Unterricht zur Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg. Bevor sie mit der Ausbildung beginnen konnte, musste sie einen Eignungstest bestehen. Alles, was mit Klavierspielen und Singen zu tun hatte, war für sie ein Kinderspiel. Einzig mit ihrem Orgelspiel war sie nicht zufrieden. Daher nahm sie Unterricht bei Regionalkantor Bernhard Müllers. Der Einsatz sollte sich lohnen. Iryna Hermann schnitt bei ihrer C-Prüfung blendend ab.

In der Pfarrei engagiert sie sich nicht nur als Organistin. Sie leitet den Frauenchor, mit dem sie jeden Donnerstag übt. Weil sie der Überzeugung war und ist, dass bei feierlichen Anlässen ein großer, gemischter Chor singen muss, rief sie 2015 einen Projektchor zu Weihnachten und 2016 für Ostern ins Leben. Seit sechs Wochen probt unter ihrer Leitung wieder ein Projektchor, der den Weihnachtsfestgottesdienst musikalisch umrahmen wird.


Orgel ein Problem

Nicht glücklich ist Iryna Hermann mit der Orgelsituation in der Stadtpfarrkirche. Seit ein paar Jahren funktioniert das Instrument nur per Computer. Dabei treten immer wieder technische Probleme auf, mit denen sie zu kämpfen hat. Iryna Hermann: „Es ist ziemlich ärgerlich, dass die Stadtpfarrkirche keine richtige Pfeifenorgel hat, sondern einen Elektroschmarrn!"

Große Freude bereitet der zweifachen Mutter weiterhin das Klavierspiel. Sie erteilt in ihrer Privatwohnung Klavierunterricht. Die Nachfrage ist riesig. Sie ist immer voll ausgebucht.