65 Jahre Musikzug Hirschau

Hirschaus kulturelles Aushängeschild – Ursprung: Fanfarenzug der Kolpingfamilie

Hirschau. (u) Hirschaus kulturelles Aushängeschild Nummer eins, der Musikzug, feiert heuer sein 65-jähriges Bestehen. Seine Geburtsstunde schlug 1952 als Fanfarenzug der Kolpingfamilie.

Der damalige Kaplan Jakob Wolfsteiner bat den 20-jährigen Josef (Sepp) Uschold, einen Fanfarenzug aufzubauen. Zwölf Burschen der Kolpingjugend griffen mit ihm die Idee begeistert auf. Am 1. Mai 1952 traten sie auf dem Markplatz erstmals öffentlich auf – in schwarzer Hose und weißem Hemd, der Uniform der Kolpingjugend. Es war dann Kaplan Josef Schedl, der den Umbau zum Spielmannszug auf den Weg brachte. Im Mai 1967 präsentierte dieser sich zum ersten Mal in der blauen Heroldstracht.

Seit 1973 mit Mädchen

Mit der Kleidung änderte sich die musikalische Ausrichtung. Und: Um die musikalische Entwicklung zu fördern, wurden ab 1973 auch Mädchen aufgenommen.

1975 beschloss Uschold, eine Majorettengruppe aufzubauen. Am 10. August 1975 präsentierten sich die Majoretten beim Further Drachenstich erstmals der Öffentlichkeit. In Hirschau war für sie drei Wochen später beim Marktplatzfest Premiere. Seither begleiten die batonschwingenden jungen Damen den Musikzug bei zahlreichen Auftritten. Ab 1977 wurde der Spielmannszug unter Leitung von Musiklehrer Peter Feldmeier zum Musikzug weiterentwickelt.

Das Jahr 1987 brachte für den Musikzug einen Generationswechsel. Sepp Uschold zog sich zurück, Musiklehrer Peter Feldmeier verabschiedete sich. Dem neuen Vorsitzenden Werner Stein gelang mit der Verpflichtung Anton Lottners als musikalischem Leiter ein Glücksgriff.

Viele Eigengewächse

1988 erfüllte sich der Traum vom eigenen Probenraum. Helmut Birner stellte einen Raum im Untergeschoss des Josefshauses zur Verfügung. Da der Musikzug nicht ins Konzept des Nachfolgepächters passte, richtete man neue Probenräume im Schulhaus ein. Nach 15 Jahren übergab Lottner 2003 den Dirigentenstab an den kroatischen Musiker Zlatko Stricic. Er kehrte jedoch 2004 in seine Heimat zurück. Seither baut der Musikzug auf das Dirigenten-Eigengewächs Annette Pruy-Semsch – dies mit großem Erfolg. 2016 erhielt das Orchester beim Oberstufen-Wertungsspiel die Höchstwertung „mit ausgezeichnetem Erfolg“.

Neue Musiker bekommt das Orchester regelmäßig aus dem Jugendorchester. Es wurde von 2004 bis 2014 vom Eigengewächs Andrea Enderer geleitet. Seit drei Jahren hat Sophia Hofmann den
Nachwuchs unter ihren Fittichen. Auch sie kommt aus den eigenen Reihen. 2014 intensivierte sie die Jugendarbeit durch die Gründung einer Bläserklasse. Ergänzt wird das Angebot durch die seit 2015 von Anna Lottner geleitete Blockflötengruppe. 2013 brachte nach 26 Jahren einen Generationswechsel im Vereinsvorsitz. Maximilian Stein trat die Nachfolge seines Vaters Werner an. Ein Jahr später bekam der Musikzug Zuwachs in Form von Regina Merkls Kindergarde. Ihr ist maßgeblich die Wiederbelebung des Hirschauer Faschings zu verdanken. Nach drei erfolgreichen Faschingszügen wagte man sich im Februar 2017 erstmals wieder an einen Faschingsball im Josefshaus. Am letzten Faschingswochenende macht sich der Musikzug alle Jahre auf ins Rheinland. Heuer war er zum 40. Mal beim Düsseldorfer Rosenmontagszug vertreten.

International on Tour

Drei Ereignisse ragten aus den Veranstaltungen des Jahres 2015 heraus. Im April wurde beim Osterkonzert das 40-Jährige der Majoretten gefeiert. Im Juli hatte man im Rahmen des Internationalen Musikfestivals eine Gruppe aus China zu Gast.
Im Dezember begleitete das Orchester musikalisch die Illumination der Hirschauer Papst-Christbaums auf dem Petersplatz in Rom.

In seiner 65-jährigen Geschichte gastierte der Musikzug in der Schweiz, in Schottland, Frankreich und Spanien, in Tschechien und Norwegen. Sogar bei der „Steuben-Parade“ in New York war man dabei.

In Hirschau gibt es kein größeres Ereignis, das nicht vom Musikzug musikalisch begleitet wird. Mit dem Marktplatzfest lockt man seit 1975 Jahr für Jahr Einheimische wie Touristen in Scharen ins Zentrum der Stadt, heuer am Wochenende 12./13. August. Richtig gefeiert wird das 65-Jährige an Christi Himmelfahrt im Rahmen des Volksmusikspektakels „Dousamma“ auf einer eigenen Bühne vor dem Westgiebel des Rathauses.