Rejloia, Glupperla, Guggan und Gaabandln

Brauchtumsvortrag von Heimatpfleger Josef Schmaußer im Seniorenzentrum Evergreen

Schnaittenbach. (u) Will man alte Bräuche und in Vergessenheit
geratene Dialektausdrücke lebendig werden lassen, tut man gut daran, den Ursensollener Heimatpfleger Josef Schmaußer einzuladen. Die Leiterin des Evergreen-Seniorenheims Regina Hofmann holte ihn dazu ins Haus und landete einen Volltreffer. Die Heimbewohner und Gäste waren von seinen Erzählungen mehr als angetan. „Woar des heint a schöina Naoumittoch!“, waren sie sich einig.

Mit seinen kurzweiligen Ausführungen über heimische
Frühlingsbräuche und einem Dialekt-Auffrischungskurs fesselte er eine gute Stunde lang sein Publikum. Die Senioren wussten es zu schätzen, dass sie sich immer wieder selbst aktiv einbringen und interessante Beiträge aus ihrem reichen Lebensschatz beisteuern konnten. Es lag in der Natur der Sache, dass sich Schmaußer besonders dem Josefi-Tag widmete, der immer am 19. März gefeiert wird. Lange Zeit ein bäuerlicher Feiertag, wurde er erst zum „halben Feiertag“ herabgestuft und 1968 in Bayern ganz abgeschafft. Ausführlich ging Schmaußer auf das Brauchtum der Fastenund Osterzeit ein. Fasten werde von allen Weltreligionen praktiziert. Dass man nach dem Motto „Flüssiges bricht das Fasten nicht“ mit der Starkbierzeit ein „Hintertürl“ gefunden hat, die Fasterei abzumildern, sei menschlich.

Zu den Osterbräuchen gehöre das Färben der Eier. Das Ei wandle sich durch die Weihe zum Osterei. Als solches habe es äußerlich kenntlich gemacht werden müssen. Anfangs habe man es rot eingefärbt. Anhand eines mit Rötelfarbe kontaminierten Erzbrockens konnte Schmaußer den Begriff „Rejloia“ anschaulich erklären.

Zustimmendes Kopfnicken zeigte, dass sich viele an die Zeiten erinnerten, als der Pfarrer nach Ostern zum Hausbesuch kam und die Anzahl der Beichtzettel mit der Anzahl der Familienmitglieder
abglich. Mittels „Kontrollabschnitt“ wurde verhindert, dass der Beichtzettel öfter verwendet werden konnte. In Wirtshäusern habe es einen „schwungvollen Handel“ mit Beichtzetteln gegeben. Die „Währung“ seien zwei Mass Bier gewesen.

Munter wurden die Senioren, als Schmaußer zu den Mundartausdrücken kam: Die Bezeichnungen „Glupperla“ für hölzerne Wäscheklammern, „Guggan“ für eine Tüte und „Kejn“ für Kienspan war fast allen geläufig. Dagegen wusste nur eine Person, dass mit „Glufern“ Sicherheitsnadeln gemeint sind. Der Referent hatte auch „Gaabandln“ mitgebracht, Bänder aus Hanf, mit denen man bis zum Aufkommen des Mähdreschers Garben – im Dialekt „Gaa“ – zusammenband, trocknete und lagerte. Dass ein Stein von den Anwesenden sowohl als „Stoa“ als auch als „Staa“ oder „Stoi“ bezeichnet wurde, war ein Beleg für die Dialektvielfalt im Landkreis.