Armenhauskapelle in neuem Glanz

Hirschau. (u) In der Gemarkung Hirschau gibt es zehn Kapellen. Eine davon ist die Armenhaus- oder Siechenkapelle, die in Nähe der Amberger Kaolinwerke (AKW) zwischen der Bundesstraße 14 und dem Bahngleis steht. Das Gotteshaus wurde im Laufe des Jahres Zug um Zug saniert und erstrahlt seit kurzem in neuem Glanz.

Der denkmalgeschützte barocke Massivbau hat seinen Namen vom einst unmittelbar benachbarten Armen- oder Siechenhaus, das bereits 1620 urkundlich erwähnt wird. Es stammt, wie die Kapelle, aus wesentlich älterer Zeit und wurde außerhalb der Stadt, ca. 600 Meter vom mittleren Stadttor entfernt, erbaut, als sich die Lepra oder der Aussatz durch die Fernstraßen stark ausbreiteten.

Heribert Batzl schreibt in der Hirschauer Stadtchronik: „An der Straße nach Schnaittenbach stand „seit unfürdenklichen Zeiten" das Siechenhaus, dessen Stiftungsbrief verloren gegangen ist und über das auf eine Anfrage der Regierung im Jahr 1855 niemand mehr Genaueres auszusagen wusste." Das Leprosenhaus wurde lediglich von Almosen unterhalten, welche an den Feiertagen eingesammelt wurden. Es hatte sonst kein Einkommen und war auf Spenden angewiesen, die den Wohltätern als „gutes Werk" besonders hoch angerechnet wurden.

Der Eingang zur Kapelle erfolgt von der B 14 aus durch eine flache Rundbogentür. Im Raum steht nur ein kleiner schlichter Altar. Über dem Eingang zur Kapelle findet sich die Aufschrift „ECCE CRUCEM DOMINI, FUGITE- PARTES ADVERSAE", zu Deutsch „Siehe das Kreuz des Herrn, fliehet ihr feindlichen Mächte". Unter der Schrift steht in lateinischen Zahlen MDCLXXVIII, also 1678. Das Gotteshaus wurde wohl in diesem Jahr renoviert.

Das Siechenhaus samt Nebengebäuden wurde um 1835 abgerissen, berichtet Joseph Weinberger in seiner Chronik „Die Stadt Hirschau, ihre Bürger und Häuser". Die Kapelle blieb erhalten. Bis in die 1960-er Jahre hinein war die Armenhauskapelle Bestandteil der Flurprozession. Deren Weg führte von der Pfarrkiche zur 14-Nothelfer- Kapelle an der Ehenfelder Straße gegenüber dem Friedhofhaupteingang, dann zur Armenhauskapelle an der B 14. Dritte Station war die Grundkapelle beim Bahnübergang in der Klaus-Conrad-Straße. Von da zog die Prozession weiter zur nicht mehr existierenden St. Anna-Kapelle in der Nürnberger Straße gegenüber der Alten Fabrik und schließlich zu-ück zur Pfarrkirche.

1978 wurde die Armenhauskapelle von Handwerkern der Amberger Kaolinwerke kostenlos restauriert, wofür diese vom damaligen Bürgermeister Bösl mit einer Dankes-Urkunde belohnt wurden.

Im Frühjahr wurden Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann und die Kirchenverwaltung von Hermann Luber auf den schlechten Zustand des Kapellendachs aufmerksam gemacht. Die Kirchenverwaltung mit Kirchenpfleger Roland Fritsch sahen Handlungsbedarf. Sie beauftragten die ortsansässige Firma Holzbau Reil mit der Dachsanierung. Deren Mitarbeiter nahmen die marode Dacheindeckung samt Regenrinnen ab, brachten eine neue Konterlattung, Dachlatten und Ortgangbretter auf, verlegten ein reißfestes Spezialflies, deckten das Dach mit Biberschwanzziegeln ein und brachten neue Regenrinnen mit neuen Rinnenhaken an.

Schnell reifte die Überzeugung, dass die Kapelle nicht nur ein neues Dach, sondern die unansehnliche Außenfassade eines frischen Anstrichs bedarf. Mit den Malerwerkstätten Grünwald wurde auch für diese Arbeiten eine heimische Firma beauftragt. Hatte man die Dachsanierung noch aus Eigenmitteln finanziert, fand sich für die Fassadenerneuerung in den Amberger Kaolinwerken und deren Geschäftsführer Dr. Otto Hieber ein Sponsor.

Beim Ortstermin überzeugten sich Dr. Hieber und Kirchenpfleger Fritsch von der gelungenen Sanierung. Letzterer bedankte sich mit herzlichenWorten für die Kostenübernahme und machte auf eine Kuriosität hinsichtlich der Grundstückseigentumsverhältnisse aufmerksam. Demnach steht die Kapelle „inselartig" auf Kirchengrund, das gesamte Grundstücksumfeld ist dagegen im Eigentum der AKW. Dieses möchte Dr. Hieber durch die Pflanzung eines Baumes noch verschönt und aufgewertet wissen.