Kulturelles Highlight

Keramikausstellung mit Entwürfen von Helene Fischer und Maria Piffl

Hirschau. (u) Unter dem Motto „Vasen-Kunst“ ist seit Mitte Oktober in der Alten Mälzerei die vom Hamburger Kunsthistoriker Volker Zelinsky organisierte Ausstellung „Helene Fischer und Maria Piffl – Keramikentwürfe für Carstens Hirschau“ zu sehen. Zur Eröffnung konnte der Hausherr und Festspielvereins-Vorsitzende Hans Drexler neben Sponsoren und Leihgebern – wie der Fischer-Nichte und Nachlassverwalterin Andrea Troup –anerkannte Experten wie Pfarrer Klaus Haußmann und Michael Popp begrüßen. Letzterer hatte den Hirschauern 2004 mit einer Keramikausstellung den Anstoß gegeben, sich des bedeutenden Kapitels ihrer Wirtschafts- und Kulturgeschichte zu erinnern. Dass die Steingutfabriken ein wichtiger Wirtschaftsfaktor waren, wurde einer breiten Öffentlichkeit schnell bewusst. Weniger galt dies für die kulturelle Bedeutung. Auf diese machte Popp letztes Jahr mit der Ausstellung „Siegfried Möller“ aufmerksam. Volker Zelinsky unterstützte ihn dabei. Er war bei seiner Dissertation über „Die Gebrauchskeramik des Carstens-Konzerns“ auf die Namen der in Hirschau tätigen Entwerfer Helene Fischer und Maria Piffl gestoßen. Drexler bekannte, dass die Doktorarbeit ihn auf die Idee brachte, Zelinsky das Arrangieren einer Ausstellung mit Objekten der Künstler zu ermöglichen. Der Verein könne aber nicht jedes Jahr derartige Ausstellungen auf die Beine stellen. Bürgermeister Hermann Falksah in der Ausstellung ein kulturelles Highlight. Sie mache deutlich, dass in Hirschau anspruchsvolle Kunstkeramik produziert wurde. Neben Siegfried Möller und Eva Zeisel ließen sich dank Zelinsky weitere sechs in Hirschau tätige Künstler nachweisen. Helene Fischer und Maria Piffl hätten eine neue künstlerische Periode eröffnet. Als „Krimi“ bezeichnete Volker Zelinsky das Recherchieren nach Maria Piffl und Helene Fischer. Im Falle Piffl sei er durch Zufall im Internet auf die richtige Familie gestoßen. Das Auffinden des Fischer-Nachlasses sei erfolglos geblieben, bis sich Andrea Troup meldete, die nach 40 Jahren in England nach Steyr zurückgekehrt war. Die Firma Carstens habe jungen Absolventen von Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien sofort nach dem Studium die Übernahme von Entwurfsverantwortung übertragen. Daher seien Formen und Dekore bei Carstens meist moderner und oft abstrakter gewesen als die der Konkurrenz. Bezüglich der Abstraktion seien die Entwürfe Fischers und ihrer Nachfolgerin Zeisel auf europäischem Niveau einzustufen. Fischer habe im Stile des modernen Kubismus geradezu „unverfroren“ mit geometrischen Komponenten wie Kugel, Kegel, Rhombus, Dreieck, Rechteck und deren Kombinationen jongliert –egal, ob bei Vasen, Dosen, Aschenbechern, Messerhaltern oder Schalen. Parallelzums kubistischen Ansatz habe sie einen harmonisch sanften Stil mit Wellenlinien und organischen Elementen entwickelt. Dies seien die Anfänge des „Organic Style“ gewesen, der nach dem Zweiten Weltkrieg berühmt geworden sei. Vasen mit Öffnungen in Form eines Kleeblatts oder eines schmalen Ovals seien damals einzigartig gewesen und erst in den 1950er-Jahren in Mode gekommen. Piffls Stricheldekore seien äußerst innovativ gewesen und später von den Wettbewerbern nachgemacht worden. Wie modern sie sind, zeigten Vergleiche mit der „Minimal Art“ und Objekten der Konkreten Kunst im Museum in Ingolstadt. Die Freundinnen Fischer und Piffl hätten die Abstraktion in die Oberpfalz gebracht. Das Schicksal der beiden sei extrem unterschiedlich verlaufen. Fischer war bis ins hohe Alter in ihrer Werkstatt in Graz kreativ. Piffl starb mit 28 Jahren an einer Lungenkrankheit. In einer Vitrine sind auch Exponate von Eva Schulz-Endert zu sehen. Da Zelinsky der Nachweis über ihre Arbeit in Hirschau erst im Frühsommer gelungen ist, konnte die Ausstellung nicht ausgedehnt werden.