Das waren noch Zeiten...

28.02.2018
Das waren noch Zeiten...

Kaum zu glauben, aber wahr: Hirschau war einst Faschingshochburg

Hirschau. (u) Hirschau eine Stadt voller Faschingsmuffel? Viele Jahre hatte es den Anschein. Seit 2015 rührt sich wieder etwas in der närrischen Zeit. Kindergarde, Kinderfaschingszug, Faschings-WarmUp und GaMu-Ball heißen die zarten Faschingspflänzchen – alle mehr oder weniger initiiert von Regina Merkl, einer gebürtigen Schmidmühlenerin.

Ihre Großväter und Großmütter brauchten in Sachen Fasching keine Nachhilfe aus dem Vilstal. Sie sorgten aus eigenem Antrieb dafür, dass in Hirschau im Faschingmächtig etwas los war. Zuständig dafür war zu allererst die Faschingsgesellschaft Narrhalla, die noch 1959/1960 dem „Bund Deutscher Karneval" angehörte, wie eine von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl aus gegrabene Mitgliedskarte beweist.

Die Aktivität der Narhallaschildert ein Zeitungsbericht über die Inthronisation von Prinz Josef I. von der Hirschenau und ihrer Lieblichkeit Prinzessin Mariele im Jahr 1953:

„Frohe Stimmung lag über dem festlich geschmückten Löwenbräusaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war, als um 21 Uhr der Hofmarschall (Ali Lauber) mit seinen beiden niedlichen Pagen von der Menge jubelnd begrüßt und umgeben von seinem Ballett auf der Bühne in launigen Worten den Einzug der Tollitäten ankündigte. Angeführt von der Kommandeuse Anni (Uschold) kam im Paradeschritt die schneidige, quicklebendige Prinzengarde und wurde jubelnd mit dem Hirschauer Faschingsruf „AHA" begrüßt. Dann folgten das Prinzenpaar, begleitet von ihrem originellen Hofnarren (Georg Tröster) und dem sich seiner Würde vollauf bewussten Elferrat...".

Die Hirschauer Faschingstradition begann allerdings weit vor dem Zweiten Weltkrieg. Mit Benedikt Herrneder gabes bereits 1925 einen Faschingsprinzen. Quellen belegen, dass dieses Amt 1939 sein späterer Schwiegersohn Richard Schertl innehatte und Herrneders Tochter Karolina seine Prinzessin war.

Nach dem Krieg bemühte sich der Gewerbeverein um eine Wiederbelebung. Benedikt Herrneder sorgte dafür, dass das Faschingsleben wieder pulsierte. Er gehörte dem Elferrat der 1951 neu gegründeten Karnevalsgesellschaft Narhalla Hirschau an, ebenso bekannte Persönlichkeiten wie Josef Dobmeyer, Hermann Häckl und Heinrich Dorfner, im Volksmund „Café-Heiner" genannt. Die Präsidentschaft bestand aus den Herren Adam Ritter, Benedikt Herrneder und Andreas Amon. 1952 regierte während der Faschingszeit Prinz Hermann I. (Hermann Häckl).

Ein Aushängeschild der Narhalla waren die Gardemädchen. Sie feierten als Ballettgroße Erfolge. Am Faschingsdienstag sah Hirschau den größten Faschingszug seiner Geschichte. Firmen wie die Amberger Kaolinwerke und Gebrüder Dorfner waren maßgeblich am Bau der Umzugswägen beteiligt. Da waren zum Beispiel AKW-Direktor Oskar Hallbauer, Karl Fleischmann, Sepp Birner und Rudl Kokott als Amerikaner im Jeep unterwegs. 1953 folgten Prinz Josef I. (Bäckermeister Josef Schneider) mit ihrer Lieblichkeit Mariele Rösch (spätere Ehefrau) und 1954 Paul Zinner mit Anni Uschold (ebenfalls spätere Ehefrau). Als Gardemädchen waren von 1952 bis 1954 Hilde Würl, Rosi Sommer, Elfriede Häckl, Viktoria Heindl, Maria Heindl, Lydia Meier, Rosmarie Lehmann, Blanda Dorner, Emilie Demel, Hedwig Lippert, Luzie Rösch, Thekla Fischer, Elfriede Budewig und Gerlinde Ulbricht im Einsatz. Als Pagen fungierten die Schwestern Gertrud und Christa Schwab.

Zu den großen Bällen im Löwenbräusaal fanden sich auswärtige Gardegruppen mit ihren jeweiligen Prinzenpaaren ein. 1952 war der Hirschauer Prinz Hermann I. der einzige Junggeselle unterden fünf anwesenden Prinzenpaaren. Die Vereinsstatuten gestatteten es nicht, dass seine auserwählte Prinzessin Elfriede, die aus Amberg war, mitmachen durfte.

In der Nach-Narhalla-Zeit erlebten die Faschingsbälle im Josefshaus in den 1970-er und 1980-er Jahren ihre Blütezeit. Am 19. Februar 2007 fand mit dem Sportlerball im Josefshaus der letzte von einem örtlichen Verein veranstaltete Faschingsball statt. Es dauerte zehn Jahre bis zum 4. Februar 2017, ehe Regina Merkl die Verantwortlichendes Musikzugs überzeugte, die Balltradition mit dem GaMu-Ball neu zu beleben.