Mal ohne Spielzeug

28.02.2018
Mal ohne Spielzeug

Kita-Kinder von St. Vitus auch heuer wieder mit Fastenzeit-Aktion

Schnaittenbach. (ads) Die Fastenzeit naht und damit die spielzeugfreie Zeit in der Kindertagesstätte St. Vitus unter der Leitung von Birgit Kumeth. Aufgrund der überraschend guten Erfahrungen sowie der ausgezeichneten Resonanz bei Kindern und Eltern in den beiden letzten Jahren steigt das große Spielzeugfasten heuer bereits zum dritten Mal.

„Die Idee entstand, weil wir erstens nach einer Aktion gesucht haben, die Fastenzeit sinnvoll gemeinsam mit den Kindern zu gestalten und weil wir bemerkt haben, dass es vielen Kinder angesichts ihrer Unmengen an Spielsachen immer schwerer fällt zuspielen – eigenständig, ohne Anleitung, aus freien Stücken, sich Spielpartner suchen, bei der Sache bleiben", erinnert Birgit Kumeth.

Sie kennt Sätze von den Kindern wie beispielsweise „Mir ist so langweilig!" oder „Ich weiß nicht, was ich machen soll!" zu gut. Eine Überhäufung mit Spielzeug und Angeboten kann nach ihren Aussagen dazu führen, dass Kinder zu wenig Gelegenheit haben, „zu sich zu kommen", ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren, ihre eigenen Ideen und Fantasien zu entwickeln... denn das ist garnicht so einfach.

Für die spielzeugfreie Zeit räumen Birgit Kumeth und ihr Team gemeinsam mit den Kindern und nach intensiven Vorgesprächen sämtliche vorgefertigten Spielsachen aus den Gruppenräumen und schicken sie „in den Urlaub". „Die Kinder lieben das", versichert Kumeth. Mit roten Backen und voller Vorfreude wird nach ihren Aussagen alles verstaut und mit liebevollen zurufen „Viel Spaß im Urlaub" weggepackt. Auch konkrete Angebote werden auf das Minimum reduziert – bleiben aber dennoch als wichtiger Bestandteil im Tages ablauf bestehen, um eine gewisse Sicherheit zu geben. Was bleibt, sind die Möbel des Kindergartens, Tücher, Kissen, Schachteln, das Bastelmaterial und die Fantasie der Kinder.

„Zu Beginn sind einige Kinder teilweise unsicher und ohne Ideen, die Lautstärke in den Räumen steigt deutlich an, aber da müssen wir alledurch", berichtet die Einrichtungsleiterin. Sie weiß aber auch, dass einige Kinder vom ersten Tag an voller Tatendrang stecken und sich sehr kreativ zeigen. Die Ideen und Erfindungen der Kinder werden laut Erfahrungen von Tag zu Tag umfassender: Häuser und Höhlen werden gebaut, am Ende sogar Fahrzeuge aus Moosgummi für die Bauecke.

Häufiger als sonst entwickeln die Kinder neue Rollenspiele in kleinen und großen Gruppen. Die Kinder reden viel miteinander: Regeln werden ausgehandelt, Ideen diskutiert, die Verteilung von Materialien besprochen und Erfahrungen ausgetauscht. „Auch wir haben anfangs Schwierigkeiten, uns von der Rolle der Anleiter /Ideengeber in eine rein beobachtende Rolle zu begeben", gibt Birgit Kumeth zu. Sie erzählt von einer regelrechten Aufbruchsstimmung, die in der Kindertagesstätte herrscht.

Den meisten Kindern gefällt laut Kumeth die spielzeugfreie Zeit zunehmend und es waren wirklich nur ein bis zwei Kinder, welche in den beiden letzten Jahren überhaupt nichts mit der spielzeugfreien Zeit anfangen konnten. Auch von vielen Eltern kam nach ihren Aussagen ein positives Feedback.

Im letzten Jahr wollten die Kinder ihre Spielsachen nach der Aktion nicht zurück, nur einzelne Jungs haben sich ihre Fahrzeuge geholt, erinnert sich Kumeth. Der Raum mit den Spielsachen stand offen, aber geholt haben sich die Kinder nicht wie erwartet sofort alles, sondern immer einmal wieder etwas.

Als Resümee der vergangenen Jahre meint Birgit Kumeth: „Die Kinder waren von Anfang an voller Tatendrang und mit Begeisterung bei der Sache. Schön war, dass sich die Kinder in der gesamten KiTa frei bewegen durften. Es gab keinerlei Probleme, wer wo mit wem spielt." Im Gegenteil: Plötzlich spielten Kinder miteinander, die vorher niemals miteinander gespielt hätten bzw. haben. Rollenspiele waren an der Tagesordnung.

Auch Kinder, die ansonsten eher Außenseiter sind, waren plötzlich mittendrin! Es gab Musik und Theateraufführungen. Bierdeckel waren die Eintrittskarten.

Ordentlicher sind die Kinderl eider nicht geworden – aber das war ja auch nicht das Ziel. „Aber es ist allen wesentlich leichter gefallen, aufzuräumen. Es war auch in diesen Situationen ein Miteinander und da es nicht so viel war, ging es entsprechend leichter von der Hand", so Kumeth.