Speisekarte braucht’s nicht

28.02.2018
Speisekarte braucht’s nicht

Dorfwirtschaften der Region – Zu Besuch im Schnaittenbacher Kellerhäusl

Schnaittenbach. (ads) „Es geht auch ohne!" Gemeint ist hier die Speisekarte, ohne die das „Kellerhäusl" in Schnaittenbach seit nun mehr 55 Jahren bestens auskommt. Von 16 Dorfwirtshäusern, die es noch in den 90er Jahren in Schnaittenbach gegeben hat, ist das Kellerhäusl eines der wenigen, die noch übrig geblieben sind.

Wie es diese urigen Dorfwirtshäuser an sich haben, besticht auch das Kellerhäusl mit seinem ganz eigenen, familiären Charme, dem rustikalen Wirtshauscharakte rund der ehrlichen Küche.

Zum Gasthaus und Hotel Haas im Stadtkern von Schnaittenbach gehörte schon seit frühen Jahren eine kleine Gaststätte am Ortsausgang von Schnaittenbach an der Straße nach Wernberg, die gerade Platz für drei Tische in der Gaststube bot.

Die Wirtsfamilie Haas hatte diese Gaststätte stets verpachtet, doch Anfang der 60er Jahre fand sich aufgrund der beengten Verhältnisse kein Pächter mehr. Also übernahm nach Abriss und Neubau des Hauses Gunda Haas, die Tochter der Familie, die Gaststätte. An Silvester 1963 ging es mit einer großen Silvesterfeier los.

An die frühere Gaststätte, in der gerade 30 Leute Platz fanden, erinnert eine kleine Nische in der jetzigen Gaststätte, die insgesamt Platz für immerhin 65 Leute bietet. „Wir haben bei großen Hochzeiten und Polterabenden in den 60er und 70er Jahren aber auch schon 99 Gäste bei uns untergebracht", erinnert sich die Gastwirtin und meint: „Damals sind die Leute auch gerne zusammengerückt. Dass das der Stimmung keinen Abbruch tat, sondern diese im Gegenteil noch gesteigert hat, konnten wir oft erleben".

Im Jahr 1966 heiratete dann Gunda Haas ihren Mann namens Koch – der zwar nie den gleichnamigen Beruf erlernt hatte, aber sich mit Leidenschaft als Metzger und Koch in das Wirtshaus einbrachte. Neben der Gastwirtschaft betrieb die Familie auch eine kleine Landwirtschaft für die Eigenversorgung. Wenn das Kellerhäusl sich heute für kleine und mittlere Familienfeiern und Feiern aller Art immer noch großer Beliebtheit erfreut und dabei für seine deftigen Brotzeiten sowie hausgemachten Kuchen bekannt ist, kennt Gunda Koch von früher noch ganz andere Feiern... Für die anspruchsvollen Hochzeiten von heute bietet das Kellerhäusl allerdings keinen passenden Rahmen mehr. Auch das große Mittagsgeschäft ist Vergangenheit.

Gunda Koch und ihr Sohn Eduard, der Koch gelernt hat und mit seiner Mutter das Kellerhäusl betreibt, können sich noch sehr gut an die Zeiten erinnern, in denen sie viele Arbeiter und Lastwagenfahrer mittags verköstigt haben: 80 bis 100 Portionen Schlachtschüssel gingen am Schlachttag aus der Küche. Die Wurstsuppen gab es in mitgebrachten Gefäßen gratis zu den frischen Blut- und Leberwürste aus dem Kessel.

Rund 20 bis 25 Zentner Erdäpfel mussten laut Gunda Koch im Jahr für Knödel, Kartoffelsalat, Erdäpfelsuppen und Salzkartoffel geschält werden. Da kein Auto vorhanden war, sind die Kartoffeln Marke Eigenbau aus dem Kartoffelkeller mit dem Fahrrad geholt worden. Um möglichst viel transportieren zu können, wurden die Kartoffeln in einen Bettbezug verstaut und mit verteilter Last über die Schultern gehängt zum Wirtshaus gebracht.

„Eine Zeit lang war unsere Gulaschsuppe auch der absolute Renner und unser Geräuchertes war über die Grenzen von Schnaittenbach hinaus bekannt", erzählt Eduard Koch. „Wenn sich auch vieles im Essverhaltender Leute geändert hat, so kommt es bei unseren Gästen immer noch bestens an, dass wir alles selber machen und die Zutaten teils auch aus der eigenen Landwirtschaft beziehen."

Nach wie vor wollen die Leute zu ihren Familienfeiern einen köstlichen Braten mit selbst gemachten Knödeln und frischen Salat, weiß Eduard Koch, der für die kulinarischen Wünsche der Gäste zu ihren Feiern stets ein offenes Ohr hat.

Das Kellerhäusl hat am Montag und Dienstag Ruhetag. Von Mittwoch bis Sonntag ist ab 10 Uhr geöffnet. Bestellungen und Tischreservierungen sind telefonisch über (09622) 14 68 möglich.