Nur ja keinen Unfall bauen!

08.06.2018
Nur ja keinen Unfall bauen!

Kettcar-Projekt in Hirschau und Kümmersbruck: Erster Führerschein mit sieben, acht Jahren


Hirschau/Kümmersbruck. (u) Erster Führerschein im Alter von sieben, acht Jahren? Die Erst- und Zweitklässler der Hirschauer und Kümmersbrucker Grundschule haben ihn demnächst in der Tasche. Sie nehmen am „Projekt Kettcar" teil, das Ende April gestartet wurde.

Zur Auftaktveranstaltung gab es einen großen Bahnhof in der Hirschauer Schulaula. Rektorin Birgit Härtl begrüße im Kreis der Schulkinder rund ein Dutzend Ehrengäste, darunter den Ideengeber Dr. Hermann König.

Schnupperstunde kommt super an

Feuer und Flamme sei mangewesen, als Dr. König sein Projekt vorgestellt habe, bekannte Konrektorin Susanne Kasberger. Es verknüpfe Theorie und Praxis. Eine Schnupperstunde habe gezeigt, dass die Kinder Spaß daran hatten. Und: „Was Spaß macht, bleibt im Gedächtnis! "Wie diese besondere Form der Verkehrserziehung aussieht – darauf war Bürgermeister Hermann Falk gespannt. Dr. König sorgte für Klarheit. Der Unfalltod eines Schülers der Egenberger Schule, an der er unterrichtete, sei 1974 der Anstoß gewesen, für seine geistig behinderten Schüler ein Verkehrserziehungskonzept zu entwickeln.

Nun gehe es um ein Konzept für Regelschüler der ersten und zweiten Klasse. Ziel sei es, ein Unfallvermeidungs und defensives Verhalten zu erlernen. „Das Kind erlebt, innerhalb räumlicher Grenzen in eine soziale Gemeinschaft eingebunden zu sein. Keiner hat in dem dynamischen Geschehen einen festen Platz. Die freie Entfaltung hat Grenzen am Bewegungsbereich anderer," erklärte der pensionierte Pädagoge.

In der Praxis dürfen sich die Kinder mit den Kettcars in einem mit Dachlatten begrenzten Raum frei bewegen. Es gibt nur eine Regel: „Keinen Unfall bauen!" Nach und nach werden die Anforderungen erhöht, etwa durch Engstellen und Sichthindernisse sowie akustische Signale. Zum Abschluss erhalten alle eine Urkunde und einen Kettcar-Führerschein.

Dass die Schulen in Hirschau und Kümmersbruck mit je 14 Fahrzeugen ausgestattet sind, ist der Sparkasse Amberg-Sulzbach zu verdanken. Sparkassenvorstand Dürgner: „Die Sparkasse unterstütztdas Projekt mit 7000 Euro. Jährlich stellt sie weitere 3500 Euro zur Verfügung, so dass weitere Schulen das Projekt umsetzen können."

Dass der Funke 2019 auf weitere Schulen überspringt, hoffte Schulrat Tischer. Das Schulamt sei dankbar, dass Dr. König sein Konzept erstmals für Regelschulen zur Verfügung stelle.

Der Kümmersbrucker Bürgermeister Strehl lobte die rasche Realisierung. Gernot Schötz (Verkehrswacht Amberg) und Hubert Ritz (Verkehrswacht Hirschau) sahen die Kettcar-Ausbildung als wertvollen Beitrag, um die Verkehrssicherheit der Kinder zu erhöhen.

Aufgelockert wurden die Reden durch ein unterhaltsames Rahmenprogramm. Die von Lehrer Alois Feyrer geleitete Flötengruppe spielte den „Straßen-Rock" und begleitete die Erst- und Zweitklässler von Studienrätin Hildegard Feyrer beim Lied „Eine Kettcar-Fahrt ist lustig."

Für das Highlight sorgte Christina Luber mit ihre meinfühlsamen Gesangsvortrag von Max Giesingers „80 Millionen", den sie am Klavier begleitete. Fachlehrerin Regina Rester-Achhammerpräsentierte mit der Schulband den „Cup Song", mit der 4. Klasse den „Soco-Soco-Tanz" und begleitete mit der Ukulele das Abschusslied der Erst- und Zweitklässler „Heit is Kettcar-Tag".

Endlich kommt die Praxis

Nach all den Reden und Musikbeiträgen war die von den Kindern sehnlichst erwartete Praxis angesagt. Im mit Dachlatten ausgelegten Pausenhof durften sie mit den Kettcars lostreten und unter den Augen der Ehrengäste erste Erfahrungen mit dem „König-Konzept" sammeln.