Nachbarschaftliche Rivalität sitzt tief

08.06.2018
Nachbarschaftliche Rivalität sitzt tief

Erinnerung bei Senioren: Als Hirschauer und Schnoittenbecka beim Bittgang noch rauften

Hirschau. (u) Draußen herrschte Kaiserwetter und drinnen beste Stimmung beim Senioren-Frühlingsfest der Katholischen Pfarrgemeinde. Musikalisch zeichnete dafür die Hirschauer Hausmusik mit Luzia Dietz (Zither), Inge Mangelberger (Gitarre) und Martha Pruy (Hackbrett) verantwortlich.

Letztere weckte bei den Besuchern mit ihren Erzählungen und ihrem Wiederholungs-Mundartsprachkurs auch so manche Erinnerung an „fröiha".

Knapp 70 Senioren, darunter eine Abordnung aus dem St. Barbara-Heim, konnte Elfi Bayer im Pfarrheim begrüßen. Ihnen stellte sie den Taschengeldbörse-Flyer des Landratsamtes vor und lud zu den bevorstehenden Fahrten zu den Bergfesten ein.

2. Bürgermeister Josef Birner lobte die Neugestaltung der Innenstadt sowie die Vielfalt der Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen für Senioren in Hirschau.

Singen macht Spaß

Die Senioren bewiesen einmal mehr ihre Sangesfreude. Begleitet vom Hausmusik-Trio stimmten sie bekannte Lieder an wie „Horch, was kommt von draußen rein" oder „Muss i denn zum Städtele hinaus".

Ebensolchen Anklang fanden die Instrumentalstücke der Hausmusik-Damen wie der „Nabucco-Walzer", das „Mariandl" oder eine Mazurka aus den Notenheften von Michl Meißner.

So mancher bekam eine Gänsehaut, als Kreisheimatpflegerin Martha Pruy die Sage vom „Schatz im Buchberg" erzählte, welchen ein schwarzer, Feuer und Glutspeiender Pudel bewachte. Ebenso furchterregend war die Geschichte vom „Kalten Baum", an dem sich eine Bäuerin zu Tode drückte.

Lustig und munter wurde es, als Pruy die Senioren prüfte, wie gut sie den Oberpfälzer Dialekt beherrschen. Diese zeigten sich sattelfest, wussten, dass eine „Schtiezn" eine Gießkanne ist, mit „Hoid" das Heidekraut und mit Biwarl, Ziwerl und Gluckerl jeweils ein Küken gemeint ist.

Zur Sprache kam unter anderem auch der Brauch der „Osterausschöpfung", bei dem die Mädchen, um noch schöner zu werden, vom Wasser trinken, mit dem sie sich gewaschen haben.

Nicht fehlen durfte die Erinnerung an das Kirwa-Brauchtum – vor allem daran, dass die ständigen Kirwan der Obrigkeit wegen des vielen Arbeitsausfalls ein Dorn im Auge waren und daher 1870 die Allerweltskirchweih angeordnet wurde.

Mit der Emanzipation war es bei den Kirwan nicht weither. So durfte ein Moidl nur auf den Tanzboden, wenn ein Bursch mit ihr hineintanzte. Und da war dann noch zur Erheiterung aller die einstige und kaum zu überbietende Rivalität zwischen Hirschau und Schnoittnboch... Sie machte nicht einmal vor der katholischen Tradition der Bittprozession halt.

Oft handfeste Auseinandersetzung

Begegneten sich die Hirschauer und Schnoittnbecka zwischen Sarg- und Haidmühle, schwenkten die Ministranten ihre Fahnenstangen über den Köpfen der Gegenseite und es versuchten die Burschen der jeweiligen Pfarrei, durch möglichst lautes Beten die Gläubigen der anderen Seite aus dem Konzept zu bringen.

Nicht selten kam es zu Raufereien, die von den Flügelhauben tragen den Ordensschwestern nicht verhindert werden konnten.

Wie es sich gehört, kam auch das Kulinarische nicht zu kurz. Die Gäste wurden mit Kaffee, Nusszopf, Wiener Würstchen, Semmeln und Frischgetränken bewirtet.

Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann freute sich über das harmonische Miteinander. Es durchbreche die Alltagsroutine und öffne den Blick für das Wesentliche. Dank sagte er allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Schließlich traten die Senioren ihren Heimweg beschenkt mit einem Petunienstöckchen an.