Der schlankste weit und breit

05.11.2018
Der schlankste weit und breit

Es gab heuer doch einen Kirwabaum in Hirschau – wenn er auch nicht der größte war

Hirschau. (u) Dutzende Kirwan werden im Landkreis gefeiert. Überall ragen Kirwabäume in den Himmel – einer höher als der andere! Mit knapp fünf Metern zählte der Hirschauer Baum sicher nicht zu den größten. Dafür war er aber der schlankste weit und breit.

Eigentlich sollte es heuer bei der Hirschauer Kirwa, die am ersten September-Wochenende gefeiert wurde, gar keinen Kirwabaum geben. So war es angekündigt – aus nachvollziehbaren Gründen. Der Schlosshof vor der Alten Mälzerei, Zentrum des Kirwageschehens und zuletzt Standort des Kirwa-Wahrzeichens, ist derzeit Baustelle. Der Festspielverein baut eine neue Tribüne.

Kirwa ohne Baum? Michaela Meier, ihrem Mann Markus und vor allem dessen Opa Karl Fleischmann ging das gegen den Strich. Ein paar Glaserln Wein halfen zwei Tage vor dem Fest beim Entschluss mit, einen Baum zu organisieren und mit ihm überraschend auf dem Festplatz aufzumarschieren.

Man hatte ja ein Metallgestell und einen festen, drei Meter hohen Stamm. Diesem musste man nur noch einen Gipfel verpassen. Selbigen gab es im Garten von Markus Meiers Eltern Herbert und Christa. Die Mama erklärte sich bereit, einen Kranz zu binden und den Baum zu schmücken.

Dann allerdings mussten weitere Personen eingeweiht werden. Michaela Meier: „Ich habe gesagt, wenn wir einen Baum haben, muss man den austanzen. Mit Unterstützung von Regina Merkl haben wir Kirwapaare gesucht – aber leider nur drei gefunden. Wegen der Musik habe ich den Höidlbrummer-Chef Dieter Kohl angerufen. Der hat gleich zugesagt.“

Kirwa-Cheforganisator Christian Gnan, Bürgermeister Hermann Falk und die anderen Gäste, die trotz Regenwetters zum Kirwa-Auftakt gekommen waren, machten große Augen: Die Kirwabaum-Truppe marschierte im Schlosshof auf.

Wie es sich gehört, spielte das Höidlbrummer-Duo zum Baumaustanzen auf: zuerst die Sternpolka, dann einen Walzer. Bei diesem gesellten sich zu den Kirwapaaren auch noch Christian Gnan und Melissa Bosser. Die Überraschung war geglückt, die Stimmung angekurbelt. Dass sie im beheizten Zelt bis nach Mitternacht anhielt, bewerkstelligten die durch Saskia Krügelstein verstärkten Höidlbrummer. Und das Service-Team des Festspielvereins sorgte dafür, dass kein Gast Hunger oder gar Durst leiden musste.

Petrus schien mit der Hirschauer Kirwa allerdings auf Kriegsfuß zu stehen. Zum Kirchenzug öffneten sich am Sonntagmorgen die Himmelsschleusen. Trotzdem machte sich ein stattlicher Festzug auf den Weg.

Den Gottesdienst zelebrierte Ruhestandspfarrer Konrad Kummer, die Predigt hielt Diakon Richard Sellmeyer. Er dankte allen, die zur Gestaltung der Messfeier und zum weltlichen Kirwa-Teil beigetragen hatten. Sellmeyer abschließend: „Bei schönem Wetter kann jeder feiern, die Hirschauer auch bei schlechtem.“ Das erwies sich auch beim gut besuchten Weißwurst-Frühschoppen.

Am Nachmittag zeigten sich am Himmel Ansätze der bayerischen Landesfarben weiß-blau und die Quecksilbersäule stieg über die 20-Grad-Marke. Prompt herrschte reger Kirwa-Betrieb.

Die Hirschauer Wirtshausmusikanten Franz Dolles, Uwe Herrmann, Alexander Götz und Hans Drexler avancierten mit ihrer gelungenen Mischung aus bodenständigen Instrumentalstücken sowie humorvollen und nachdenklichen Liedern zu absoluten Publikumslieblingen.