1928: Weihe der Kirchenglocken

05.11.2018
1928: Weihe der Kirchenglocken

Vor 90 Jahren wurde das neue Geläut der Hirschauer Stadtpfarrkirche gesegnet

Hirschau. (u) Auf ein bedeutendes Ereignis konnte die Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt im August zurück blicken– die Weihe der sechs Glocken der Stadtpfarrkirche.

In der 1968 von Heribert Batzl verfassten „Geschichte der Stadt Hirschau“ steht nachzulesen, dass Stadtpfarrer und Geistlicher Rat Johann von Gott Hiederer das Geläut am 12. August 1928 um 8 Uhr früh auf dem Kirchplatz segnete. Pünktlich zum Patrozinium der Kirche, am Feiertag Mariä Himmelfahrt, ertönten die sechs neuen, in der Glockengießerei Johann Hahn in Landshut gegossenen Glocken dann vom Kirchturm.

Nötig war die Neuanschaffung des Geläutes gewesen, da die Pfarrei am 13. Dezember 1917 drei der fünf bis vorhandenen Glocken an die Kriegsmetallstelle abliefern musste. Stadtpfarrer Hiederer hatte dagegen nachdrücklich Widerstand geleistet, konnte die Ablieferung jedoch nicht verhindern.

Nur zwei Glocken blieben auf dem Turm, die zwei Zentner schwere Sterbeglocke aus dem 15. Jahrhundert und eine 1911 gegossene Glocke. Letztere wurde aber 1928 eingeschmolzen, da sie tonlich nicht rein war.

Dass es von 1917 bis 1928 dauerte, bis der Pfarrer Hiederer an die Wiederbeschaffung eines Geläutes denken konnte, hatte finanzielle Gründe. Die Kriegsmetallstelle hatte 500 Mark für die Glocken bezahlt, die zu Kriegsgerät umgearbeitet wurden. Die Summe fiel aber der Inflation zum Opfer. Während des Jahres 1923 hatte sich z.B. die Abwertung der Mark gegenüber dem US-Dollar immer schneller vervielfacht, bis im November der Kurs für einen US Dollar 4,2 Billionen Markent sprach. Der Stadtrat trug 1928 zur Neuanschaffung mit einem Zuschuss in Höhe von 7 000 Mark bei.

Wenn heutzutage die Glocken zum Gottesdienst rufen, ist keine der 1928 geweihten mehr zu hören. Denn 1942 ereilte sie das gleiche Schicksal wie das ihrer Vorgänger. Mit Ausnahme der Sterbeglocke wurden alle beschlagnahmt und zu Kriegsmaterial umgearbeitet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten zuerst die Schäden des Bombenangriffs aus dem April 1945 beseitigt werden, bevor die Glocken ersetzt werden konnten. Vorerst konnten nur die drei kleinen Glocken angeschafft werden. Sie wurden in der Gießerei Hamm in Regensburg gegossen.

Die drei großen Glocken trafen am Samstag, 17. Dezember 1949, in Hirschau ein. Am vierten Adventsonntag, dem 18. Dezember, nahm Geistlicher Rat Friedrich Zeitler um 9.15 Uhr vor der Pfarrkirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Weihe der Glocken vor. Tags darauf, am Montag, dem 19. Dezember, erfolgte das Aufziehen der Glocken.

Am Heiligen Abend 1949 erklang das 99 Zentner schwere, in c-Moll gestimmte neue Geläut zum ersten Mal. Zu Weihnachten 2019 kann die Pfarrgemeinde also das 70-Jährige ihrer Kirchenglocken feiern.