Königlich bayrisches Dorf

05.11.2018
Königlich bayrisches Dorf

In Weißenbrunn kommt ein altes Ortsschild jetzt wieder zu Ehren

Kohlberg. (jml) Nicht nur München hat seinen Königsplatz, sondern neuerdings auch der Kohlberger Ortsteil Weißenbrunn. Und der ist mit Sicherheit ruhiger, als jener in der bayerischen Landeshauptstadt. Im Beisein von Bürgermeister Rudolf Götz wurden auf der Grünfläche in der Dorfmitte eine Säule mit einer uralten Ortstafel und eine neue Ruhebank platziert. Das Ganze ist eine gemeinsame Aktion des Ehepaares Prechtl vom OWV Kohlberg und Umgebung sowie den Weißenbrunner Kirwaleuten.

Das Besondere daran: Das Ortsschild stammt aus der Zeit vor 1918, als in Bayern noch Könige und Prinzregenten regierten – was die Inschriften „Kgl. Amtsgericht“ und „Kgl. Bezirksamt“ belegen.

Die Blechtafel mit den altertümlichen Schriftzeichen hing, Erzählungen zufolge, ganz früher an der alten Dorflinde nahe dem jetzigen Standort. Irgendwann wurde der morsche Baum gefällt und der damalige „Hanslwirt“ von nebenan nahm die Tafel in Verwahrung. Längere Zeit hing sie noch im Hausgang der Dorfschenke, dann wanderte sie auf den Dachboden und geriet in Vergessenheit. Helmut und Gerlinde Prechtl, die Besitzer des Anwesens, fanden sie vor einigen Monaten und wollten das alte Schmuckstück wieder zu Ehren bringen. So entstand der Plan, die Ortstafel gemeinsam wieder aufzustellen.

Von OWV-Vorstand Markus Müller stammen Eisenrohr, Verankerungen und Abschlusskugel der Aufstellsäule. Er schweißte auch die Halterungen an und bemalte alles mit königlich weißblauen Streifen. Hans Dollesfertigte die Wetterschutz-Verkleidung der Tafel und von Johann Müller kam das kleine Schild mit Historieninfos.

Der Waldverein spendete die Unterbauten der Bänke und die Sitzhölzer. Die Vorstandschaft der Kirwaleute und mehrere Helfer planierten den Platz, betonierten und stellten die Ruhebank auf. Und nach ihrer Kirchweih am ersten Septemberwochenende, wollten die jungen Weißenbrunner noch eine zweite Bank und einen Tisch auf den Platz stellen. Der Bürgermeister spendierte als Anerkennung bei der offiziellen Übergabe den Mitwirkenden eine zünftige Brotzeit.

Damit haben nun alle drei Gründörfer ihren örtlichen Treffpunkt: Die Hannersgrüner stemmen regelmäßig ihr Feierabendseidel am und im Feuerwehrhaus, die Artesgrüner haben seit dem Frühjahr ihre „Begegnungsstätte“ am idyllischen Dorfweiher und die Weißenbrunner nun ihren „Königsplatz“. Wer also gerne mal „sei königlich-bayrische Rouh“ haben möchte: auf der Bank am alten Ortsschild, kann er sie genießen!